Das Wappen des Feldartilleriebataillons 210 ist beschrieben in
 

Verbandsabzeichen
des Heeres
Band 1
Artillerie und Topographie

von Walter-Hubert Schmidt

Feldartilleriebataillon 210

 

 

Standort:

Philippsburg, Salmkaserne

Blasonierung:


 

Im goldenen Schild ein roter Schrägrechtsbalken; das Ganze überdeckt von einer nach links (beim Draufsehen nach rechts) gerichteten schwarzen Haubitze über der schwarzen Zahl "210" im Schildfuß.

Bedeutung:




 

Der goldene Schild mit dem roten Schrägbalken, das Wappen des ehemaligen Landes Baden, weist auf die Tradition mit dem 1. Badischen Fußartillerieregiment Nr. 14 hin. Die Haubitze ist die stilisierte Darstellung der Feldhaubitze 203 mm*, dem ersten Geschütz des Bataillons. Die Zahl 210 ist Teil des Namens.

*Anmerkung:
Hier irrt der Autor. Das Schild gibt die stilisierte Darstellung der Feldkanone 155 mm wieder. Dieses Geschütz wurde fast zeitgleich mit der Feldhaubitze 203 mm im Bataillon eingeführt. Siehe Geschichte des Bataillons.

Hubert Walter Schmidt war in den Jahren 1980 bis 1982 als Standortkommandant des Übungsplatzes Schwarzenborn im Verteidigungsfall im Regiment VAF AR 200 als Offizier eingeplant. Er nahm an mehreren Übungen und Schulungen teil.

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Wappen der Tradtionsgemeinschaft

Das Wappen der Tradtionsgemeinschaft steht für die Patenschaft zwischen dem Feldartilleriebataillon 210 und der Stadt Philippsburg und zeigt nach außen die Verbundenheit. Alle öffentlichen Veranstaltungen der Kameradschaft finden unter diesem Wappen statt.

Durch das harmonische Miteinander der Stadt Philippsburg und ihren Bürgern und dem Bataillon wurde die Patenschaft bereits seit Gründung des Bataillons gepflegt. Sie besteht offiziell seit dem 6. Juli 1984.

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Wappen der Reichsfestung Philippsburg

Das Wappen mit dem “Habsburgischen Doppeladler” weist die Verteidigungsanlage als eine “Deutsche Reichsfestung” aus.

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altes Wappen 

neues Wappen

Philippsburg

Das Stadtwappen von Philippsburg wird in der Beschreibung der Wappen des Landkreises Karlsruhe beschrieben.

Blasonierung:
In durch einen silbernen Faden gespaltenem blauen Schild vorne ein durchgehendes, geschliffenes silbernes Kreuz, hinten eine silberne Lilie.

In “The International Civic Heraldry” ist vermerkt:

1338 erhielt das Dorf Udenheim Stadtrecht. 1631 wurde Udenheim umbenannt in Philippsburg. Die Stadt war zwischen 1371 und 1718 im Besitz der Fürstbischöfe von Speyer. Der älteste Nachweis der Stadt ist auf das Jahr 1386 datiert und zeigt bereits das Kreuz von Speyer zusammen mit einer Lilie.

Die Darstellung wurde entweder dem Wappen von Bischof Lambert von Born (1364 - 1371) entnommen oder es ist das Symbol der Heiligen Maria, der Patronin von Speyer. Die Farben sind die Farben von Speyer. Alle späteren Darstellungen zeigen die gleichen Zeichen. Nur ein kleiner silberner Streifen wurde dem (jetzigen) Wappen durch die Stadt hinzugefügt.

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4. Feldartilleriebataillon 210
Philippsburg

Umdruck zum Batteriefest anlässlich der Auflösung am 23. Februar 1985

Geschichte der Batterie
am 12. September 1962 begann die Geschichte des Feldartilleriebataillons 210 mit dem Aufstellungsbefehl Nr. 934 (H), in dem es erstmals erwähnt wurde.
Nachdem am 5. November 1962 die ersten Soldaten eintrafen, gab es zunächst nur eine schießende Batterie, die 4./- . Diese erhielt am 20. Dezember 1962 ihre ersten Feldhaubitzen 203 mm. Mit einem dieser Geschütze feuerte sie am 16. Mai 1963 den ersten scharfen Schuss des Bataillons.

203 mm Feldhaubitze

Daten FH 203 mm: Länge 8,50 m, Breite 6,80 m (bei gespreizten Holmen), Höhe 2.75 m Gefechtsgewicht 13.500 kg, Reichweite 17 km, Bedienung 1/15

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Die 2. und 3. Batterie erhielten ihre Geschütze, je 6 Feldkanonen 155 mm, am 27. April 1963. Als Zugfahrzeug diente von 1964 bis 1981 der LKW 10 t FAUN.
Im Juni 1967 erhielt die 4. Batterie 2 weitere Feldhaubitzen, während die 2. Batterie ebenfalls Feldhaubitzen, jedoch des Typs 155 mm M1 A2, erhielt. Ab August 1970 waren dann alle Batterien mit diesem Geschütz ausgestattet.

FK 155 mm beim Schuss

Daten: Gewicht 32 to, 2 Doppelachsen, gezogen, Bedienung: 1/14

FH 155 mm beim Schuss

Daten: Länge 3.79 m, Breite 2.5 m, Höhe 2,06 m, Gefechtsgewicht 5.765 kg, Reichweite 14.5 km, Bedienung 1/9

Im Hebst 1980 erfolgte die Umrüstung auf die Kanone 175 mm M 107 SF. Bereits im November des selben Jahres kam dieses Geschütz auf dem Truppenübungsplatz GRAFENWÖHR bei der 3. und 4. zum Einsatz. Wieder war es die 4. Batterie, die den ersten Schuss mit einem neuen Waffensystem feuerte.

 

Batterie M 107 SF beim Feuern


Im Frühjahr 1981 wurde dann auch die 2. Batterie auf M 107 umgestellt.

 

Gleichzeitig erfolgte die Ablösung der alten Zug- und Transportfahrzeuge durch “Fahrzeuge der neuen Generation”. In der Folgezeit wurden immer mehr Fahrzeuge ausgetauscht und das Bataillon unter anderem mit Feuerleitrechnern ausgestattet.

 

 

 

 M 110 SF in Bereitschaft

 

Bereits das Jahr 1982 brachte eine neue Umrüstung mit sich. Im Hebst diesen Jahres erhielt jede Batterie durch Umrohrung von 4 Geschützen Haubitzen 203 mm M 110 A2 G SF. Jede Batterie behielt 2 Kanonen 175 mm für Ausbildungszwecke, da von diesem Kaliber ein entsprechend großer Vorrat an Munition vorhanden war.

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Bedingt durch eine Umgliederung innerhalb der Artillerie wird nun das Bataillon im Laufe des Jahres 1985 aufgelöst.
Am 5. Dezember 1984 fand das letzte Artillerieschießen des geschlossenen Bataillons statt, wobei es der 4. Batterie gelang mit Hauptmann Gut als K4, den letzten Schuss des Bataillons zu feuern.

 

Hier die Daten dieses denkwürdigen Ereignisses:

Zeit:        051359A dec 84

Ort:        FP 744 / TrÜbPlGRAFENWÖHR

Geschütz:   H 203 mm, Y - 545, Uffz Schäfer

Kdo:       Teilring 4988-, Erhöhung 444-


Nachdem die 4. Batterie im April 1984 zum ersten und letzten Male einheitsweise aufgestellt worden war, entlässt sie als erste der schießenden Batterien alle ihre Wehrpflichtigen mit dem Ablauf des ersten Quartals 1985. Die Berufs- und Zeitsoldaten werden nur zu einem geringen Teil ins Raketenartilleriebataillon 122 übernommen, die Masse von ihnen wird über die Artilleriestandorte im süddeutschen Raum “verstreut”.

Im Laufe der vielen Jahre, die hier nur gestreift sind, haben viele Soldaten dieser Batterie angehört. Viele von ihnen halten immer noch Kontakt, obwohl sie bereits im zivilen oder militärischen Leben ihren Weg gemacht haben. Sicherlich würden es viele verdienen, besonders erwähnt zu werden. Weil dies jedoch nicht möglich ist, seien stellvertretend für sie alle Batteriechefs und Batteriefeldwebel der 4. Batterie genannt.

Batteriechefs

Batteriefeldwebel

01.11.62 - 31.03.65

Hptm Walter

01.11.62 - 31.12.65

HptFw Stolberg

01.04.65 - 31.10.67

Hptm Hartung

01.01.66 - 30.09.68

HptFw Bille

01.11.67 - 31.03.70

Hptm Köhler

01.10.68 - 30 09.72

HptFw Gayk

01.04.70 - 31.03.72

Hptm Germann

01.10.72 - Auflösung

HptFw Gerlach

01.04.72 - 30.09.74

Hptm Förster

 

 

01.10.74 - 31.03.76

Hptm Burandt

 

 

01.04.76 - 30.09.79

Hptm Hager

 

 

01.10.79 - 31.03.81

Hptm Kesselring

 

 

01.04.81 - Auflösung

Hptm Gut

 

 

Dank allen Angehörigen und ehemaligen Angehörigen der Batterie und all jenen, die ihr in irgendeiner Weise verbunden waren, alles Gute für den privaten und beruflichen Lebensweg.

Philippsburg, Februar 1985

Gut

Gerlach

Hauptmann

Hauptfeldwebel

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Kameradschaftstreffen am 7. Juli 2008

Die Einladung

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Der Bericht zum Jahrestreffen

Jahrestreffen der
Traditionsgemeinschaft Feldartilleriebataillon 210

Unerwartet viele ehemalige Angehörige des FArtBtl 210 trafen sich am 5.7.2008 zum diesjährigen Jahrestreffen im Schützenhaus. Herr OTL a.D. Dieter Böhm als 1. Vorsitzender bezeichnete in seiner Begrüßung die große Teilnehmerzahl weit über die Anmeldungen hinaus eine gern angenommene und schöne Überraschung und einen schönen Lohn für die umfangreichen Vorbereitungsarbeiten des Vorstandes. Er erwähnte weiterhin, dass der Radius des Kameradenkreises immer größer werde und einige Kameraden z.B. aus Schwerin, Bad Oldesloe, Braunschweig, Bad Aibling und Freiburg angereist seien und begrüßte den ältesten Kameraden, Herrn OStFw a.D. Otto Bille, dann einen treuen Freund aus der Bürgerschaft seit den Tagen des Einmarsches des Vorkommandos des Bataillons im Jahre 1962, Herrn Herbert Jene und vor allem Herrn Bürgermeister Stefan Martus.

Bedauern rief die Mitteilung hervor, dass Herr Generalmajor Förster wegen eines Trauerfalles kurzfristig abgesagt habe, denn alle waren auf seinen schon traditionellen launigen wie hintergründigen und dennoch von großer Kenntnis geprägten Lagebericht über die deutsche und Nato-Artillerie gespannt. Nach  organisatorischen Hinweisen über die künftige Arbeit im Vorstand und über den weiteren Verlauf des Treffens wurde der verstorbenen Kameraden und Kameradenfrauen gedacht.

Danach gab Bürgermeister Martus einen Überblick über die Ereignisse in Philippsburg, dabei als besonders bedeutsam die unmittelbar bevorstehende Einweihung des großzügig erweiterten Rathauses und die Planungen zur weiteren Vergrößerung bei Good Year sowie die derzeitige Nutzungen im Kasernengelände und sich evtl. andeutende weitere Nutzungsperspektiven. Herr Martus, der noch 2 weitere Termine hatte, wurde unter kräftigem Beifall von OTL a.D. Böhm mit herzlichem Dank und unter Hinweis auf das nächste Treffen in 2009 verabschiedet. Zuvor hatte Herr Edwin Geiger, selbst alter 210er, ihm einen wunderschönen Wimpel des Fanfarenzuges des FArtBtl 210 überreicht und dabei den Wunsch wohl aller Anwesenden geäußert, im Rahmen der städt. Museums-Neukonzeption auch an einen Ausstellungsraum des Btl zu denken.

Nach dem Mittagessen, wiederum von Frau und Herrn de Benedetti mit ihrem Helferteam vorzüglich zubereitet und zügig serviert, gab unser Kamerad Hptm d. Res. D. Zimmer eine Einweisung mit PC und Beamer über den Internet-Auftritt des FArtBtl 210, das er erstellt und eingestellt hat; vieles Interessante über das FArtBtl 210  und auch über die Garnison findet man unter www.feldartilleriebataillon210.de .

Danach war noch viel Zeit, um bei Kaffee und dem von den Vorstandsfrauen selbstgebackenen Kuchen gemeinsame Erinnerungen auszutauschen, mitzuteilen und wieder aufzufrischen.

Vor dem allgemeinen Aufbruch verabschiedete Herr Böhm gegen 16:00 alle Teilnehmer mit guten Wünschen bis zum nächsten Treffen am Samstag, dem 4.Juli 2009 , wiederum ab 10:30 im Schützenhaus in Philippsburg und bedankte sich noch einmal bei allen Teilnehmern für Ihre Treue zum FArtBtl 210 und beim Ehepaar de Benedetti mit ihrem Helferteam für die überaus freundliche und gute Betreuung.

Heinz Bornmann 

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Fotos vom Treffen

 

Bericht in den “Badische Neueste Nachrichten” vom 22.12.2009

Sie trafen sich im Lazarett

Walburga und Otto Hermann Bille sind 65 Jahre verheiratet.

Sie halten sich fit mit vielen Spaziergängen.

Philippsburg (rb) Otto Hermann Bille und seine Ehefrau Walburga geborene Jung leben in der Beständigkeit. Sie wohnen seit 45 Jahren in Philippsburg in der gleichen Wohnung in der Rote-Tor-Straße. Am heutigen Dienstag feiern sie bei immer noch akzeptabler Gesundheit ihre eiserne Hochzeit nach 65 Ehejahren. Der Jubilar wurde 1921 in Gera geboren, besuchte dort die Schule und trat mit 15 Jahren ins Berufsleben.

Ehepaar Bille 2

Das Ehepaar Bille am Festtag

Mit Kriegsbeginn zunächst dienstverpflichtet, wurde Otto Bille 1941 Soldat, kam nach Holland, Frankreich und Italien und wurde mehrfach verwundet. Im Lazarett in Füssen lernte er seine künftige Frau kennen, die eigentlich nur ihren ebenfalls dort liegenden Bruder besuchen wollte.

In Frankfurt, der Geburtsstadt Walburgas, heiratet das Paar 1944. Ein Jahr später kam Tochter Karin zur Welt. Hermann Bille war 1946 aus der Kriegs- gefangenschaft zurückgekommen und zunächst in Frankfurt tätig, ehe er 1956 in die Bundeswehr eintrat. Nach einer Zeit in Großengstingen zog das Paar 1964 nach Philippsburg. Dort blieb der Berufssoldat bis 1974 aktiv, war allein sieben Jahre “Spieß” bei den Artilleristen und nimmt noch heute gern an den Treffen der einstigen Kameraden teil. Über lange Jahre war Hermann Bille erst beim SSV Waghäusel aktiv und trainierte dann beim Philippsburger Sportverein Aktive und Jugend. Ganz hat er dem Fußball noch nicht Adieu gesagt und ist immer noch gern gesehener Zuschauer bei manchem sportlichen Ereignis.

Walburga Bille hatte für lange Zeit ihren sportlichen Ausgleich in einer Schwimmergemein- schaft gefunden. Beide “eisernen Hochzeiter” sind vor allem zu Fuß nicht nur beim Spaziergang am Ort, sondern auch in der Umgebung immer noch gern unterwegs. Vor Jahren liefen sie so manches Wochenende drei, vier Stunden auf dem Weg in ihre Hütte in der Pfalz. Heute belassen sie es vielleicht bei einer halben Stunde.

Foto: Willi Leidner

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Sankt Barbara
Die Schutzpatronin der Artilleristen

Die Legenden um die Heilige Barbara

Am 4. Dezember einen jeden Jahres feiern die Artilleristen der freien Welt ihre Schutzpatronin. Es sind vor allen Dingen Legenden, die zeigen, aus welchen Gründen die Kanoniere der Artillerie die heilige Barbara zu ihrer Schutzpatronin ausgewählt haben. Die Gestalt dieser Heiligen entstammt einer Gruppe frühchristlicher kleinasiatischer Legendenfiguren, zu denen unter anderem der heilige Christopherus, Georg und Nikolaus gehören. Aus diesem Grund leben in vielen Legenden um die heilige Barbara offensichtlich altgriechische und orientalische Mythen, wenn auch verschwommen, weiter. Wenn man in den Werken des Simon Metaphrastes liest, dann stößt man auf eine junge Barbara, die schön und anmutig aber auch wie ihr Vater Dioskoros hart und jähzornig charakterisiert wird. Der Name des Vaters weist auch in die Mythen der griechischen Sagenwelt, denn so gehören Dioskuren (Zeussöhne) zum Sagenkreis eines Herakles. Bei Barbara selbst überwiegen allerdings die charakterlichen Merkmale der Güte, der Anmut und Schönheit und so kann sie sehr häufig mit der Göttin der Weisheit und der Schirmherrin friedlicher Künste verglichen werden. Sie kann Züge der Zeustochter Pallas Athene nicht verleugnen.

Barbara selbst lebte mit ihrer Kammerjungfrau und wenigen Erziehern recht abgeschlossen von ihrer Umwelt. Nur hässliche oder sehr alte Männer hatten in ihrer Jugend Zugang zu ihrem Lebenskreis, denn der Vater wollte durch seine Tochter sein bereits nicht kleines Vermögen noch vergrößern. So nahm es nicht wunder, sagt die Legende, dass er für sie Marcian, einen reichen Freund bestimmt. Als nun Barbara Kenntnis über die Pläne ihres Vaters erhielt, offenbarte sie ihm, dass sie Christin geworden sei und ihre Jungfräulichkeit Gott opfern wolle. Der nun vor Wut schnaubende Vater sperrte sie in einen Turm, der auf ihre Bitten hin 3 Fenster erhielt. Diese 3 Fenster drücken das christliche Symbol der Dreifaltigkeit aus. Jedoch ließ Dioskoros sie nicht in Ruhe. Barbara selbst war in diesen Jahren der Einsamkeit noch viel schöner geworden und hatte an Anmut gewonnen. Die Folge war, dass Marcian immer versessener auf sie wurde. Da dieser jedoch auf ihren Widerstand stieß, marterte er sie auf bestialische Weise. Es war ihr Vater, der sie dann, wenn auch auf makabere Weise, von diesen Leiden erlöste: er schlug ihr und ihrer getreuen Erzieherin Juliane den Kopf ab. Im selben Augenblick tötete ein greller Blitz den Vater und wenige Sekunden später tötete ein zweiter Blitz Marcian. Dieser Blitzstrahl des Himmels wird von den Artilleristen mit dem Blitzstrahl der donnernden Kanonen und Haubitzen verglichen.

Eine zweite, ähnliche Legende, verbindet Barbara vielleicht noch mehr mit uns Artilleristen. Diese Legende ist vor allen Dingen in der französischen Armee sehr heimisch.

Es ist die Geschichte eines gewissen Alypius, dem Vater der Heiligen, der die Geheimnisse um Erdöl und Schießpulver zu erforschen suchte und seine Freude an bengalischen Feuerwerken hatte. Als er nun in der Fremde genug chemische Reaktionen studiert hatte, widmete er sich in seiner Heimat ganz der Chemie. Seine Tochter, die sehr frei erzogen wurde, interessierte sich für diese Studien; es gelang ihrem Vater und ihr schließlich, einen Stoff höchster Brisanz zu entwickeln. Die Schönheit der jungen Barbara lockte zahlreiche Männer an, die sie freien wollten. Sie jedoch lehnte alle ab und trat, um vor weiteren Belästigungen gesichert zu sein, in ein Augustinerkloster in ihrer Heimatstadt ein.

Im Sommer des Jahres 340 n. Chr. rückten nun Vandalen vor die Mauern ihrer Heimatstadt. Der Vater befahl ihr nun, das Kloster zu verlassen und mitzuhelfen, die Stadt zu verteidigen. Ihr Vater fiel gleich zu Beginn der Kämpfe. Sie selbst jedoch kämpfte heldenmütig und tapfer weiter. Es gelang ihr zunächst durch bengalische Feuer und durch Brandgeschosse, alle feindlichen Angriffe abzuwehren. Doch die Übermacht war zu groß. Die Stadt wurde erobert. Rachedurstig stürzten sich die Soldaten auf das Kloster in das Barbara zurückgekehrt war, als sich die Stadt ergeben musste. Jedoch die unterirdischen Gänge dieses Klosters waren durch die Heilige auf eine solche Gefahr vorbereitet und jeder unterirdische Gang war mit Sprengstoff eingefüllt worden. Als nun die Kämpfe um das unterirdische Kloster in die Gänge hineinwogten, ließ Barbara das Kloster detonieren und begrub so Sieger und Besiegte unter den Trümmern.

Eine weitere Legende, die der ersten sehr ähnlich ist, sei erwähnt. Die heilige Barbara wuchs inmitten von Götzenspuk und sittlicher Dekadenz im väterlichen Haus auf. Ihr Vater schirmte sie von der Umwelt völlig ab und sperrte sie in einen Turm, der zwei Fenster besaß. Sein Streben war, die Tochter einem reichen Freier zu vermählen. Als er nun eines Tages von einer Reise zurückkam sah er, dass ein drittes Fenster in den Turm gebrochen war und an der Wand eines Turmzimmers das verhasste Kreuzzeichen eingehauen war. Ohne Umschweife gestand Barbara, dass sie Kreuz und Fenster habe einbringen lassen, um sich stets an das Zeichen der Erlösung und das Geheimnis der heiligen Dreifaltigkeit zu erinnern. Der wutentbrannte heidnische Vater wollte seine Tochter auf der Stelle töten, jedoch sie entfloh ihm und vor Gericht gestellt, führte sie ihre Verteidigung so gut, dass ihm nichts anderes blieb, als sie zu quälen und zu foltern. Jedoch heilte Gott jedes Mal ihre Wunden schnell und gut. Als sie ein zweites Mal vor Gericht gestellt wurde, tötete ihr Vater sie in rasender Wut. Zu gleicher Zeit brach über ihre Heimat ein Unwetter herein und Donner und Blitz waren die Zeichen jener Stunde.

Diese drei Legenden um die Heilige zeigen, dass ihr Leben und ihr Tod den Kanonieren ein Symbol sein musste. So war es kein Wunder, dass Kanoniere evangelischer oder katholischer Konfession in den großen Schlachten der beiden Weltkriege ihren Namen an die Wände der Batteriestellungen schrieben. Die Verehrung der Heiligen durch die Artilleristen kam zunächst im 15./16. Jahrhundert in Italien auf und breitete sich über Frankreich und auch auf Deutschland aus. So fand man Beweise des Barbarakults der Artilleristen in Barbarabildern, so genannten „Saintes Barbes“ im alten Frankreich, in Zeughäusern, Pulvermagazinen und Artillerieschulen. Auch der junge Artillerieoffizier Bonaparte konnte sich dieser Verehrung nicht verschließen.

Im 19. Jahrhundert, in der Rheinbundzeit, breitete sich gerade in südwestdeutschen Ländern der Barbarakult der Artilleristen aus. In dieser Zeit entstand auch das Barbaralied in seiner heute gültigen Form:

              "Heut' ist die ganze Artillerie
              zu deiner Ehr versammelt
              und allerorten, dort und hie
              wird nur Dein Lob gestammelt:
              Das Lob der heiligen Barbara
              mit Speis und Trank, Wort und Trara,
              wer wird sich nicht beteiligen
              an diesem Fest der Heiligen“


Diese Verehrung deutscher Kanoniere hat in und nach dem 70er Krieg den Barbarakult der Artilleristen in ganz Deutschland heimisch gemacht. Trotz Trara, Speis, Trank und Wort steckt im Grunde ein tiefer, ernster Sinn hinter diesem soldatischen, manchmal etwas kabarettistischen Brauchtum, mit dem die Artilleristen der westlichen freien Welt am 4. Dezember ihren Festtag, das Barbarafest, feiern. Dieses Erbe ist in einem gewissen Sinn ein gemeinsames Gut der europäischen Artillerie, ja heute aller Artilleristen der freien Welt. Es ist in Jahrhunderten gewachsen und geformt worden, es hat sich geändert aber nie seine Substanz verloren. Aus diesem Grunde bindet und formt es auch die Armeen unserer Zeit.

Es sind aber nicht nur die Artilleristen und Pioniere die die heilige Barbara verehren. Auch die Bergmänner, die täglich in die dunkle Tiefe fahren, um das schwarze Gold zu fördern, feiern sie als ihre Schutzpatronin.

Auch Maurer, Dachdecker, Zimmerleute, die Feuerwerker und die Schmiede machten sie zu ihrer Patronin.

Ja sogar in die häusliche familiäre Sphäre ist diese Heilige eingedrungen, denn in vielen Familien werden am 4. Dezember Kirschzweige in Vasen gestellt, die dann zum Weihnachtsfest blühen.

Die Artilleristen sind stolz auf ihre Schutzpatronin - die

"Heilige Barbara"

     Quellen:
     1. Helmut Ibach: die Patronin der Kanoniere „Mann in der Zeit" Nr. . 12/60.
     
    2. Les Cahiers d'Artillerie Nr. 18/60
     3. Hans Hümmler: „Helden und Heilige“, Verlag Hans Michaelsberg, Siegburg

 

Bericht von Herrn Oberst a.D. Stein

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Von einem Kameraden erhielten wir die nachstehende Aufnahme

Barbaratag mit Vers HÖ (1) (553x1024) [50%]

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